Der Gemeindebrief hält Sie über alles Wissenswerte in der Evangelischen Kirchengemeinde Wermelskirchen auf dem Laufenden. 

Wenn diese Steine reden könnten, ...

dann würden sie von optimistischen Anfängen erzählen, von herben Rückschlägen, von strahlenden Glanzpunkten und großen Herausforderungen. Entdecken Sie in den folgenden Abschnitten, wie es ihr so erging, unserer kleinen Kirche in Burg.

Der lange Weg bis zur Einweihung 

Eine evangelische Gemeinde formierte sich in Burg bereits 1553. Und ab da begann ein zähes Ringen mit den Katholiken. Zunächst nutzten die beiden Gemeinden die Kirche in Oberburg gemeinsam. Aber von einem harmonischen Nebeneinander konnte keine Rede sein. Gestritten wurde so ziemlich um alles: die Benutzung der Pfarrkirche, das Läuten der Glocken, Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen. Das hatte am 7. Mai 1732 ein Ende: An diesem Tag wurde der Grundstein für den Bau der evangelischen Kirche in Unterburg gelegt. Gebaut wurde sie zu einem Großteil aus den Überresten des Schlosses: Am Ende des Dreißigjährigen Krieges (1648) hatten die abziehenden kaiserlichen Truppen große Teile der Anlage zerstört: Mauern, Toranlagen und den Bergfried. Die feierliche Eröffnung der Burger Kirche fand am 24. Juni 1735 statt. Fertig war sie aber noch nicht. Es fehlten Turm, Glocken und Orgel. Auch die Sakristei gab es noch nicht, sie wurde 1888 angebaut.

Logenplätze

Die Kosten für den Bau der Burger Kirche waren für die Gemeinde eine enorme Belastung – kurz vor ihrer Fertigstellung wurde es richtig eng. Doch die verantwortlichen Presbyter wussten sich zu helfen. Sie erließen im Februar 1735 eine Kirchstuhlordnung, die jedes Gemeindemitglied verpflichtete, zwei Plätze zu kaufen. Dabei wurden die besten Plätze an den Meistbietenden versteigert, die weniger guten per Los zugewiesen. Die Sitze waren erblich – und konnten auch als Sicherheit für ein Darlehen hinterlegt werden. Und damit jeder wusste, wer wo zu sitzen hatte, legte das Gemeindemitglied ein eigenes Kissen oder das eigene Gesangbuch auf den Platz. Ein Schelm, wer dabei an Handtücher und Liegestühle denkt.

Orgel

1741 beauftragte das Presbyterium den Orgelbauer Martinus Booß mit dem Bau einer Orgel. Sie wurde zum ersten Mal 1874 umgebaut, dann ein weiteres Mal im Jahr 1934. Schon vor dem Hochwasser 2021 war sie erneut restaurierungsbedürftig. Um sie vor weiteren Schäden zu schützen, wurde sie vor dem Beginn der Bauarbeiten ausgebaut und dann im Januar 2025 wieder an ihren Platz gebracht. Aber sie kann nicht mehr gespielt werden.

Friedhof

1744 gelang der evangelischen Gemeinde in Burg ein weiterer, wichtiger Schritt: Sie durfte einen Friedhof anlegen. Vorausgegangen waren auch hier zähe Verhandlungen. Die Gemeindemitglieder konnten nun für sich und ihre Nachkommen eine Grabstätte erwerben, und zwar gleich „all inklusive“, nämlich mit Grabstein. Diese Grabsteine wurden von einem Steinmetz nach einer einheitlichen Vorlage gefertigt und auch gleich aufgestellt. Neben einem Sinnspruch und Ornamenten war auch schon der Name des Verstorbenen zu lesen. Sogar das Jahrhundert stand schon fest, nur das genaue Jahr fehlte noch. Bei einigen fehlt es bis heute, so steht dort nur die 17 für siebzehnhundert. Dieses reichlich makabere Vorgehen war einzigartig. 1853 wurde der Friedhof aufgegeben, seit dem November desselben Jahres wurden die Gemeindemitglieder auf dem Friedhof an der Burger Höhe beerdigt.

 

Aus einem Türmchen wird ein Turm

Bei der ursprünglichen Planung war festgelegt worden, dass der Turm so hoch wie das Dach der Kirche gebaut werden sollte – und nicht höher. 1787 wurde dieser „Turmstumpf“ – das Wort ist nicht von mir – dann erhöht. Bei dem Turm blieb es dann, auch wenn die Burger immer mal wieder bei den zuständigen Kirchenbehörden vorstellig wurden und eine weitere Erhöhung verlangten.

 

Darf´s ein bisschen mehr sein: 
27 Stüber für ein Glockenpfund

1786 konnte die Burger Gemeinde dann endlich günstig zwei gebrauchte Glocken erwerben – der Preis richtete sich tatsächlich nach dem sogenannten „Glockenpfund“, also nach dem Gewicht. Im folgenden Jahr kauften die Burger dann noch eine neue Glocke dazu. 

Nachdem die Glocken mehr als 150 Jahre zum Gottesdienst gerufen hatten, mussten sie 1940 abgegeben werden und kamen auf den „Glockenfriedhof“ nach Hamburg, um im Rahmen der sogenannten Metallsammlung eingeschmolzen zu werden – Metall war ein kriegswichtiger und begehrter Rohstoff. Dazu kam es glücklicherweise nicht. Der Gemeinde gelang es nach dem Krieg, ihre Glocken wieder aufzuspüren. Weihnachten 1948 konnten sie wieder geläutet werden und tun es bis heute. 

Zeugnis eines unsinnigen Befehls

Um die vorrückenden US-amerikanischen Truppen aufzuhalten, erging noch am 15. (oder 16.) April 1945 der Befehl, die Wupperbrücke zu sprengen. Die Sprengung richtete verheerende Schäden in der Umgebung der Brücke an – noch in der fast 500 Meter entfernten Kirche wurden alle Fenster zerstört. Reste der Fenster finden sich heute in einem Wohnhaus in der Müngstener Straße: Sie hatte der Anstreicher August Dohle benutzt, um für die Druckerei Roth, deren Fenster ebenfalls zerstört waren, neue, bleiverglaste Scheiben zu fertigen – als Bezahlung in Naturalien für einen Druckauftrag. 


 

Ein makaberer Fund gibt Rätsel auf

Ein so altes Gemäuer kommt nicht ohne Schauergeschichte aus: Unter dem Altar wurde ein Kind begraben, so lautete ein Gerücht, das bei Sanierungsarbeiten (1951-1953) grausige Realität wurde. Dabei fanden Arbeiter die sterblichen Überreste eines kleinen Kindes – und zwei Sarggriffe. Es ist vermutlich Anfang/Mitte des 18. Jahrhunderts gestorben, also etwa zu der Zeit, als die Kirche gebaut wurde. Diese Datierung führt zu dem 1730 geborenen Johann Wilhelm Pollmann, Sohn von Pfarrer Sigmund Richard Pollmann, der von 1727 bis 1742 sein Amt in Burg ausübte. Die Gebeine des Kindes wurden an gleicher Stelle wieder eingemauert.

Pfarrer Lothar Wand geht neue Wege

Nach Pfarrer Geert Gießler, der von 1948 bis 1969 in Burg wirkte, folgte eine unruhige Zeit: In fünf Jahren gaben sich fünf Pfarrer die Klinke in die Hand. Am 8. September 1974 übernahm dann Pfarrer Wand. 
Mit einem Mal wehte ein frischer Wind: In Familiengottesdiensten mit den sogenannten „Zeichenhandlungen“ wurden die Gottesdienste interaktiv, es wurden Lieder gesungen, die nicht im Gesangbuch standen, und es wurde Gitarre gespielt. Das regt heute niemanden mehr sonderlich auf, aber in den 1970er Jahren war das etwas völlig Neues. 

Eine kleine Geschichte, die Margret Wand berichtet: 

Mein Mann hat sich auch sehr engagiert für die KINDERNOTHILFE eingesetzt, so zum Beispiel für ein Projekt in Haiti. An Leinen in der Kirche wurde für jeweils 50 gespendete DM ein Babyjäckchen aufgehängt. So konnten die Menschen sehen, wie vielen Kindern auf Haiti schon geholfen wurde. Und die Burger haben so fleißig mitgemacht, dass die von allen Seiten gespendeten Jäckchen bald nicht mehr ausreichten und „Attrappen“ (nur Vorderteile aus weißem Stoff) aufgehängt werden mussten. 

Und jetzt kommt der Aufreger: Ein Brautpaar aus einer anderen Gemeinde wollte in Burg heiraten. Bei der „Vorbesichtigung“ der Kirche deutete die Brautmutter auf die Babyjäckchen und meinte: „Die kommen doch aber sicher weg.“ Auf die verwunderte Frage meines Mannes, warum sie das denn wolle, meinte sie: Ja, da könnten doch die Hochzeitsgäste denken, die Braut sei schwanger und müsste heiraten. (Das Ganze ist 40 Jahre her und heute wahrscheinlich kaum noch nachzuvollziehen.) 

Trotz der ausführlichen Erklärung meines Mannes, was es mit den Jäckchen auf sich hatte und dem Angebot, im Rahmen der Trauung auch etwas dazu zu sagen, blieb die Empörung – und die Trauung fand nicht in Burg statt.

Stichtag: 1. Januar 2010

Seit dem Tag gilt es: Die Kirchengemeinde Burg gehört offiziell zur Kirchengemeinde Wermelskirchen. Vorangegangen waren langwierige Verhandlungen, die in die Aufnahme der Kirchengemeinde Burg in die Kirchengemeinde Wermelskirchen mündeten. Almuth Conrad, seit dem 1. März 2009 Pfarrerin in Hünger und zugleich zuständig für Burg, sieht einen Grund zum Feiern: „Größer ist unsere Gemeinde geworden und um eine Kirche reicher. […] Wermelskirchen, vor allem eben der Burg benachbarte Teil Hünger, kann die Verstärkung gut gebrauchen.“ Das haben die Burger und Burgerinnen natürlich gern gehört. Mit dem formalen Zusammenschluss war der Grundstein für ein neues Miteinander gelegt und die paar Kilometer zwischen Burg und Hünger wurden nach und nach auch in den Köpfen überbrückt.

Obwohl die wenigen Kilometer „im Ernstfall“ lang werden konnten. So stand in einem Jahr eine Hochzeitsgesellschaft in der Kirche, wer fehlte, war der für die Trauung vorgesehene Pfarrer. Almuth Conrad erreichte ein Notruf. Jetzt war Improvisationstalent gefragt: In Windeseile musste sie einen Bibeltext ausdrucken, nach Burg sausen und mit der Trauung anfangen. Mitten in der Ansprache erschien er denn doch, der erwartete Pfarrer – er hatte sich schlicht in der Uhrzeit geirrt und kam bester Laune in die Burger Kirche. Die in ihrer Familie als perfektionistisch bekannte Braut bekam so als Hochzeitsgabe noch eine Lektion Kölsch: Et hätt noch emmer joot jejange.

Aufgerappelt: Hochwasser 

2021 hatte Burg wieder einmal ungebetenen Besuch von der Wupper und dem Eschbach. „Wieder einmal“ – das zeigt das Bild des historischen Friedhofs an der Kirche nach dem Hochwasser 1909. Auch da guckten nur die Spitzen der Grabsteine aus dem Wasser. 2021 waren mehr als 50 Freiwillige – zumeist fremde Menschen – im Einsatz, um aufzuräumen. Eine besondere Amtshilfe leistete Pfarrer Jo Römelt von der Gemeinde Dorp. Dieses Mal nicht im Talar und mit Bibel, sondern in Arbeitsklamotten und mit Vorschlaghammer in der Hand.  Nach dem Aufräumen ging es an den Wiederaufbau. Bereits im Oktober kamen 16 ehrenamtliche Helfer und Helferinnen im Rahmen einer sogenannten Baufreizeit aus Halle nach Burg und verlegten einen Holzboden. Das war „Boden legen“ im doppelten Sinn des Wortes. Jetzt konnte Das besondere Gotteshaus durchstarten.

Mein ganz besonderer Dank gilt Beate Brand, Regina Brabender, Franz Breckerfeld, Almuth Conrad, Brigitte Epking (Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde Wermelskirchen), Beate Gollan-Koch, Elke Hein (Archiv des Verschönerungsvereins Burg an der Wupper), Dr. Volker Lubinetzki  sowie Margret Wand. Mit ihrer wertvollen Unterstützung haben sie maßgeblich dazu beigetragen, dass die Mediathek nun online ist.

Birgit Siekmann

© Urheberrecht. Alle Rechte vorbehalten. 

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.